„Klimaneutral bauen, klimaneutral produzieren, klimaneutral mobil sein, klimaneutral gut leben. Klimaneutrale Gemeindewerke, ein klimaneutrales Bovenden 2035 und ein klimapositives Bovenden 2045 – die Gemeinde stößt weniger CO2 aus, als ihre natürliche Umwelt binden kann – lautet das ambitionierte Ziel.“


Als grüner Bürgermeisterkandidat stehe ich für ein Bovenden, das schnellstmöglich klimaneutral wird und echten Klimaschutz mit Leben füllt. Das ambitionierte Ziel lautet, Bovenden bis 2035 im Einklang mit den Klimazielen von Paris und in Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln zu einer klimaneutralen Kommune entwickelt zu haben. Entwickelt zu haben, gemeinsam mit den Menschen vor Ort, mit Unternehmer:innen, Gewerbetreibenden und der Landwirtschaft, mit den Altvorderen, mit den Eltern, mit der Jugend.

Ich will ambitionierteren Klimaschutz, einen echten Klimavorbehalt für alle kommunalen Maßnahmen. Die Energie- und Wärmeproduktion soll so lokal wie möglich organisiert werden und die lokale (Land-)Wirtschaft, die lokalen Gemeindewerke und vor allem auch die Bürger:innen vor Ort sollen daran teilhaben können – als Akteur:innen, Prodzuzent:innen oder Teilhabende in Energiegenossenschaften. Ich will die Gemeindewerke zu einem hundertprozentigen Öko-Stromanbieter entwickeln und einen Wettbewerb der Ideen statt Verwaltungsdenken bei der Klimawende. Ich trete an für ein Bovenden, das neue Wege geht, bevor die alten nicht mehr betretbar sind. Damit Bovenden 2035 klimaneutral sein wird. Welche Wege das sein können, erfahren Sie hier.

Jede kommunale Maßnahme muss somit darauf geprüft werden, ob sie dem Klimavertrag von Paris und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes genügt. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Flecken Bovenden auf den 1,5 Grad-Pfad kommt und das Ziel der Klimaneutralität erreichen kann. Nur damit schützen und bewahren wir die Lebenschancen unserer Kinder und Enkel. Dafür muss ein leistungsstarkes Klimareferat als Anlaufpunkt für Ideen, Initiativen und Umsetzungen für Bürger:innen und die lokale Wirtschaft angesiedelt werden.

Klimaneutrale Gemeindewerke meint, dass nicht nur 100% zertifizierter Öko-Strom angeboten wird, sondern dass die Gemeindewerke selbst zu 100% Öko-Strom produzieren. In einem zweiten Schritt gilt dies auch für zu erarbeitende Konzepte für eine Wärmewende. Denn erst wenn Wärme erneuerbar zur Verfügung gestellt wird, kann Klimaneutralität erreicht werden. Beides soll in Kooperation mit der lokalen Wirtschaft und den Bovender Bürger:innen organisiert und angegangen werden, auch durch die Schaffung von Möglichkeiten, mit Bürgerenergie/Energiegenossenschaften gemeinsam mehr Energie zu produzieren, als zu verbrauchen.

Ich möchte alle Möglichkeiten prüfen und schaffen, damit sich auch Bürger:innen und die lokale Wirtschaft an der Wertschöpfung im Rahmen der Energiewende beteiligen können. Ich möchte einen Vorrang von Bürger(wind)energie, weil die Akzeptanz für Erneuerbare Energie unmittelbar mit der Beteiligung und dem Verbrauch vor Ort ansteigt, Klimaneutralität aber nicht ohne Windenergie möglich sein wird. Ich setze dabei auch auf neueste Technologien, etwa den Verzicht von Rotoren bei Windkraftanlagen oder Kleinwindanlagen, aber auch auf eine zweite Solarrevolution.

Photovoltaik ist heute schon eine der günstigsten Möglichkeiten, Strom zu produzieren und zugleich die unterschätzteste, wie Wissenschaftler:innen der Universität Aarhus im März 2021 aufzeigten. Jenseits der ohnehin in den Startlöchern stehenden Solarpflicht für Neubauten will ich eine echte, zweite Solarrevolution. Agrosolartechnologie in Zusammenarbeit mit Landwirt:innen oder die Überbauung von bereits versiegelter Infrastruktur (Straßen, Parkplätze, Radwege) mit teiltransparenten Photovoltaik-Modulen. Eine Initiative der Kommune, sich als Modellprojekt zu bewerben für die überdies lärmmindernde Überbauung bzw. Randbebauung der B3, der A7 und von Bahnstrecken. Das Leinetal als Solar-Valley.

Ich setze mich für Nullemissionen in Siedlungs- und Gewerbegebieten ein, in der Bauphase und im Betrieb. Die Altdörfer, mit ihren teils hunderte Jahre alten Häusern aus Lehm, Holz, Stroh und Ton zeigen, wie selbstverständlich klimaneutrales Bauen war und, inzwischen modernisiert, wieder ist. Zement ist einer der größten Klimakiller, Sand einer der rarsten Rohstoffe der Welt, weshalb ich Bauen auf völlig neue (alte) Füße stellen will – Holzbau, modulares Bauen, temporäres Bauen, Tiny Houses, genossenschaftliche Gemeinschaftsbauten. Dies gilt umso mehr für den kommunalen Gemeindewohnungsbau. Kommunaler Wohnbau soll selbstverständlich mit Gründächern, einem Minimum an Flächenversiegelung und einem Maximum an Begrünung bauen – mindestens klimaneutral betrieben und errichtet, mit einer verbindlichen, ambitionierten Quote für bezahlbares Wohnen. Klimaquartiere sind ein weiterer Ansatz, der allerdings neben der Frage von Energie auch die von Biodiversität, Entsiegelung, Klimafolgenresistenz und Mobilität integrieren sollte.

Das Baurecht setzt bisher sehr enge Grenzen, was umbauten Raum zum Wohnzweck angeht. Ökologisches Wohnen und neue Formen des Wohnens finden hingegen nur wenig Berücksichtigung. Will eine junge Familie ein Haus übernehmen, in dem die Vorbesitzer noch wohnen oder die Eltern nachholen und dafür ein ökologisch gefertigtes und betriebenes Tiny House in den Garten stellen, verbietet das Baurecht dies in der Regel. Stehen Brachen lange leer, kann dort in der Regel keine temporäre Wohnnutzung stattfinden. Reicht Menschen ein autark betriebener Bauwagen zum Leben aus, bewegt sich dessen Aufstellung außerhalb teuren Baulandes zumeist in Illegalität. Will jemand ein Carport mit Gründach errichten gilt im Zweifel das gleiche Recht wie für ein Carport ohne Gründach. Ich will prüfen, was sich hier ändern lässt: Tiny-Houses, Ökodörfer, fliegendes Bauen, mobiles Bauen, experimentelles Bauen, kooperatives Bauen, mit Holz, mit Bauwägen, mit Phantasie und Kreativität. Wir wollen auch Menschen, die mit Peter Lustig oder Hallo Spencer aufgewachsen sind und sich fragen, „wie bekomme ich das mit deutschem Baurecht zusammen“, eine neue Heimat bieten – nicht nur, aber auch.

Ich will den Umgang mit Flächen und Böden gänzlich neu bewerten. Der öffentliche Raum sollte nicht weiter nach schneller Verwertbarkeit und Überbauung, sondern nach dessen Beitrag für eine klimaverträgliche Zukunft taxiert werden. Das seit den 1970er Jahren konservierte Planungsdenken muss durch ein Denken ersetzt werden, das Klimaverträglichkeit, sozialen Ausgleich und Generationengerechtigkeit zusammendenkt. Der Verkauf von Boden heute ist immer Einschränkung von ökologischen und finanziellen Handlungsmöglichkeiten kommender Generationen. Dies zu ändern, ist ein Gebot der Stunde.

Ich will eine stärkere Begrünung von Dächern und Fassaden auch im Bestand fördern, Empfehlungen zum Anbau heimischer, klimawandelresistenter Gehölze gegenüber Steinwüsten und insektenfeindlicher Pflanzungen fördern, ich will wasserdurchlässige Wege und Flächen als Regel, mehr Teiche, Tümpel und Schwalbengärten und eine insektenfreundliche Infrastruktur über ein paar Inseln hinaus. Dazu sollen im Rahmen öko-sensibler Bauleitplanung ein Anforderungskatalog erarbeitet und Bauherr:innen in der Planungsphase unterstützend begleitet werden.
Ich will Wasserläufe renaturieren, Schafbeweidung mit Leineschafen, Dorfgrün und Begrünung von (Beton-)brachen zur Erhöhung der Biodiversität und natürlichen Kühlung und den Erhalt von Kaltluftschneisen. Und ich möchte die Landwirt:innen bei all dem weiter im Boot wissen, als fordernder und geforderter Gesprächspartner fungieren, damit diese ökologisch ambitioniert und ökonomisch abgesichert arbeiten können. Blühstreifen und Patenschaften hierfür sind ein erster Ansatz, den ich gern verbindlicher unterstützen würde. Überdies hat der Bauernverband konkrete Vorschläge gemacht, etwa zu Kohlenstoffsenken in der Landwirtschaft, die ich gern, wo möglich, ebenso verbindlich unterstützen möchte.