Lebenswerte Ortsteile als Orte der Begegnung. Starke Zentren mit einem starken Ehrenamt. Starke, vielfältige Familien. Mehr Grün, mehr entsiegelte Flächen weniger Verkehr.

Umsichtige Flächennutzung. Bezahlbaren Wohnraum und ein gutes Zusammenleben.

Gute Bildung von Anfang an, klimaneutrale Mobilität. Und einen weltoffenen, inklusiven Flecken Bovenden.


La Pura Vida in Costa Rica, Hygge in Dänemark, Lagom in Schweden, Sisu in Finnland. In vielen Ländern gibt es nur schwer übersetzbare Begriffe dafür, was gutes Leben meint – fast immer geht es um Familie und Freunde, um ein Beisammensein vor Ort und in Familien, um die Achtung des Umfelds und Achtsamkeit im Umgang mit sich, seinen Nächsten, dem Nahfeld, der Region. Zwar ist die Basis in den Ortsteilen des Fleckens dafür, auch aufgrund vieler Initiativen und Vereine, noch gut, aber oft fehlt es doch an Orten der öffentlichen Begegnung der Generationen, der Lebensentwürfe, alter und neuer Strukturen im ländlichen Raum. Ein gutes Leben für alle sollte alle umfassen, alle, die hier leben und hier leben möchten, im Eigenheim, in der geförderten Wohnung, in der studentischen WG oder auf einem alten Hof. Es umfasst alle, die hier leben wollen, die kürzlich zugezogen sind, die hier seit Generationen leben. Ich will ein Bovenden, in dem alle gut und gerne leben, egal woher sie stammen, egal wie lange sie bleiben wollen.

Und es kommen und bleiben immer mehr Menschen, der Flecken ist ob seiner Lage hochattraktiv. Aber auch in Bovenden steigen Haus- und Mietpreise massiv. Die damit einhergehende soziale Frage stellt Bovenden ebenso vor eine Herausforderung wie der demographische Wandel und nicht zuletzt die Folgen der Klimakrise. All das muss bei künftiger und bestehender Bebauung mitgedacht werden, damit Bovenden fit wird für die Zukunft, sozial ausgewogen und ökologisch ambitioniert. Auf ein Zusammenleben fokussiert, dass das Leben auf dem Land lebendig hält, Orte der Begegnung schafft, ein lebenswertes Umfeld bietet, auch in der Zukunft. Die Ideen für ein gutes Leben für alle möchte ich hier vorstellen.

Ich will anknüpfen an Versuchen die einzelnen Ortsteile wieder stärker zu beleben. Das heißt, Initiativen, ehrenamtliche Gruppen, Einzelpersonen aufzumuntern, Initiative zu ergreifen, statt Regeln zu diktieren. Räume zur Verfügung zu stellen und die Rahmenbedingungen verbessern. Intensive Begrünung, autofreie Zonen bzw. Reduktion von Geschwindigkeit, Begegnungs- und Verweilmöglichkeiten erhöhen nicht nur die Lebensqualität. Ein solches Maßnahmenbündel, das zeigen Beobachtungen in Städten, aber auch kleineren Gemeinden wird das Leben wieder in die Orte holen und damit auch den sozialen Zusammenhalt stärken.
Dafür will ich eine Gründer:inneninitiative, die im Dialog Bedingungen und Restriktionen für die Ansiedlung von bspw. Cafés, Läden und Begegnungsräumen evaluiert und Empfehlungen ausarbeitet. Welche öffentlichen Infrastrukturen braucht es für die (Wieder-)Ansiedlung von Cafés? Welche Bedingungen brauchen bereits bestehende Orte der Begegnung, um noch zugänglicher für alle zu werden? Wie lassen sich Co-Working-Spaces, Abholstellen der solidarischen Landwirtschaft, Postdienstleistungen, womöglich behördliche Sprechstunden, ein Dorfladenkonzept, Hofläden, der Jugendraum und der Senior:innentreff bündeln und verschränken? Bündeln und verschränken, um Leben, Handel und Begegnung in alle Ortsteile zurückzubringen oder zu stärken und Verkehre zu reduzieren? Ein Ansatz, der sich als Alternative zur Ansiedlung noch weiterer Discounter auf der grünen Wiese versteht, die überdies diese Funktionen nicht übernehmen können.

Klimaschutz, so sagen uns die Klimawissenschaften, ist die zentrale Aufgabe in den kommenden zehn Jahren. Deshalb will ich ein Klimasanierungsprogramm für alle Ortsteile, in dem gemeinsam mit den Bürger:innen verhandelt wird, wie umfassender Klimaschutz in den ländlichen Raum kommt und damit den ökologischen Fußabdruck verkleinert und zugleich Lebensqualität und Biodiversität erhöht. Ein solches Klimasanierungsprogramm kann vieles beinhalten: Die Energiewende vor Ort fördern, Potentiale kollektiver und kollaborativer regenerativer Stromversorgung und Wärmeversorgung heben, konkrete Ziele bei der Entsiegelung von Flächen und der Begrünung von Dächern, Fassaden und Brachen benennen, massive Begrünung und Schaffung von Wasserflächen ausweisen, auch als wirksames Mittel, in Hitzesommern natürliche Kühlung zu ermöglichen.
Ein solches Klimasanierungsprogramm sollte die Bürger:innen vor als Akteur:innen stärken und empowern: Wer hat Flächen für Photovoltaik, wer pflanzt wo Bäume, jede/r einen oder alle zusammen einen kleinen Wald, eine Streuobstwiese? Wer plant womöglich eine Wärmversorgung, von der andere profitieren könnten. Schließlich wird die Wärmewende der entscheidende Punkt sein, um die Klimaneutralität zu erreichen. Ich will, dass jeder einzelne Ortsteil des Fleckens zu einem von vielen Kernen der ökologischen Welle wird und dabei unterstützen und Wege eben, wo ich kann.

Ländliches Leben war früher, auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, nicht ohne die Idee von Allmende, von Allgemeingütern denkbar. Wir wollen wieder solche Orte der Begegnung und Versorgung schaffen, Orte des gemeinschaftlichen Gärtnerns, Anbauens und Verteilens: Als Pilotprojekte in jeder Gemeinde, in Form öffentlicher Streuobstwiesen, gemeinschaftlich genutzter Äcker, Gärten oder anderer öffentlicher Räume.

Als vierfachem Vater in einer voll berufstätigen Familie ist mir bewusst, wie wichtig Infrastruktur für Familien ist. Verlässliche und umfängliche Betreuungsangebote, eine umfassende Bildungsinfrastruktur, ein verlässlicher ÖPNV auch in den Randzeiten, Freizeitmöglichkeiten, bezahlbarer und ausreichend dimensionierter Wohnraum sind sicher von großer Bedeutung für Familien. Dabei ist mir neben diesen zentralen Punkten wichtig, dass Familien so plural sein können, wie das Leben selbst. Auch scheint mir klar, dass Familien heute mit mehr Unsicherheiten umgehen müssen als noch vor einigen Jahrzehnten. Deshalb ist mir, weil wir als junge Familie sehr davon profitiert haben, ein verlässlicher und vom eigenen Geldbeutel unabhängiger Zugang zu Bildung, Betreuung und Teilhabe ein Herzensanliegen.

Die Kirchengemeinden und die Diakonie, die Feuerwehren, die Sportvereine, die vielen Vereine und Initiativen sind traditionell Kerne des Zusammenlebens, besonders im ländlichen Raum. Und das Ehrenamt, ehrenamtliche Initiative und Beteiligung sind unersetzbar. Gerade der zunehmende Wegfall oder die ständige ökonomische Bedrohung von anderen Orten der Begegnung macht diese zu wichtigen Akteur:innen eines integrativen Gemeindelebens. Ich will ein offenes Ohr haben für deren Wünsche haben und unterstützen, wo es nur möglich ist. Dies gilt insbesondere auch für Strukturen und die Infrastruktur der Jugendarbeit und deren Einbindung in das ökologische Leben im Flecken. Es ist schließlich die Jugend, die das Thema Klimakrise so stark in den Fokus gerückt hat in den vergangenen Jahren. Für die Ideen und Initiativen, die in der jungen Klimaschutzbewegung kursieren, will ich immer ein offenes Ohr haben und Räume und Strukturen schaffen, in der sich diese Ideen artikulieren und umsetzen lassen.

Gentrifizierung, Milieuschutz, Umwandlung, Genossenschaften – in den Städten der Republik wird die Entwicklung vorweggenommen, die dem städtischen Umland bevorsteht. Seit Ausbruch der Coronakrise warnen Wissenschaftler:innen und Stadtforscher:innen intensiv davor, dass die nächste Welle der Verdrängung gerade  in den suburbanen Räumen, den Umfeldern boomender Städte voranschreitet. Hier vorzusorgen, um lokale Gesellschaften zusammenzuhalten, muss schon jetzt bedacht werden. Das bedeutet auch, dass der Fokus auch auf Menschen, Studierenden, Alleinerziehenden, Familien liegen muss, die sich Wohneigentum nicht leisten können, aber dennoch auf mehr als drei bis vier Zimmer angewiesen sind. Ich will, dass wir in Bovenden systematisch erfassen, wie sich Miet- und Baupreise entwickeln. Und ich will, dass Kommune als Akteurin im (sozial verträglichen) Wohnungsmarkt wieder stärker präsent ist, es gibt kaum eine wirksamere Vorsorge wider steigende Mieten, die Menschen überlasten und am Ende über Transferleistungen kommunale Haushalte wieder belasten.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder Ort, der ein Bahngleis hat, auch einen Bahnhaltepunkt haben sollte und ich werde mich weiter dafür stark machen, dass dort, wo es möglich ist, die Bahn eine besonders hohe Priorität genießt. Weil das aber nicht erzwingbar ist, sondern nur hartnäckig zu bearbeiten, will ich darüber hinaus einen klimagerechten Mobilitätsmix incl. Car-Sharing, E-Mobilität, Elektro-Rollern, ÖPNV und anderem mehr, der nicht danach fragt, ob jemand Fahrrad fährt oder ein Auto besitzen möchte oder nicht, sondern der allen Verkehr als gleichberechtigt behandelt und zugleich auf Klimaneutralität zielt. Das bedeutet für mich, bei jeder baulichen Maßnahme über Bauleitplanung grüne Verkehrsinfrastruktur verpflichtend mitzudenken. Zugleich will ich mich dafür einsetzen, den zeitnah auf Elektromobilität umzustellenden ÖPNV noch besser in die Ortsteile zu vernetzen, zu beschleunigen und vor allem beim Preis günstiger und einfacher zu machen. Wenn Großräume wie Wien oder Leipzig ein 365 Euro-Ticket realisieren können, dann kann die Region Göttingen das auch.

Keine Sorge, ich werde Sie als aktiver Lastenfahrradfahrer nicht zu Lastenfahrradfahrer:innen erziehen. Aber leidenschaftlich dafür werben, dass der Griff zum (E-)Fahrrad oder zum Lastenfahrrad bei entsprechender Infrastruktur zum Normalfall werden kann. Dafür aber braucht es einen massiven Ausbau der Radwegeinfrastruktur: Breite, barrierefreie, möglichst auf beiden Straßenseiten vorhandene, abgetrennte Radwege, zwischen den Ortsteilen, innerhalb der Orte und auch nach Göttingen, öffentliche Ladestationen für E-Bikes, sichere Unterstellmöglichkeiten, die zugleich Fläche für Photovoltaik und Strom zum Nachtanken liefern können, geräumte Wege im Winter. Und Radwege, die sich den Raum nicht mit Fußgänger:innen und auf den Bus Wartenden teilen müssen. Ich will eine Radweginfrastruktur, die das Fahrrad als Verkehrsmittel so ernst nimmt, dass Radfahrende sich sicher und wertgeschätzt fühlen. Und Großstädte wie Kopenhagen, aber auch ländliche Regionen in den Niederlanden zeigen, dass hier sehr viel Luft nach oben ist.

Als vierfacher Vater weiß ich um die Bedeutung von guter Betreuung und guter Bildung von Anfang an. Gerade nach dieser für die Kleinsten so einschneidenden Pandemie sollte in den nächsten weder Kosten noch Mühen gescheut werden, Kinder und Jugendliche alters- und sachgerecht fördern, gerade weil der Druck, jetzt alles schnellstmöglich nachzuholen, absehbar ist. Deshalb wünsche ich mir, anders als CDU und SPD im niedersächsischen Landtag, dass die dritte Fachkraft auch in den Kindergärten des Fleckens schnellstmöglich zur Regel wird, auch um die Pandemiefolgen für die Kleinsten bewältigen zu können.
Ich unterstütze vor diesem Hintergrund überdies einen auf die Bedürfnisse nach einer Pandemie ausgerichteten Bildungsentwicklungsplan für den Flecken Bovenden und auch die Einrichtung eines Bildungsbüros, das Kindergärten, Schulen und Eltern in den Bereichen Sprachdiagnostik und -förderung, digitales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung unterstützt und berät. Programme wie „Klima macht Schule“ unterstütze ich ausdrücklich, würde diese aber gern erweitern: Schüler:innen erklären Klima. Schließlich, das zeigen die vergangenen Jahre, sind es weniger die Schüler:innen, die beim Klimaschutz Lernbedarfe haben, sondern allzu oft die Generation der Eltern und/oder Großeltern. In welchen Formen das geschieht, überlasse ich gern der Phantasie der Kinder und der Jugend.
Wenn die Pandemie eines gezeigt hat, dann das der Erziehungs- und Bildungsbereich dringend ein Update braucht bezüglich der Ausstattung. Dort, wo wir als Kommune unterstützen und finanzieren können, sollten wir das umfassend tun: etwa bei der lernfördernden Ausstattung der Krippen, Kitas und Schulen für ein inklusives, barrierefreies, ganztägiges Lernen, bei leistungsfähigen Internetanschlüsse in Klassenräumen, digitalen Arbeitsplätze für alle Lehrkräfte und Leihgeräte für Schüler:innen in der Schule; gesunder, möglichst regional und ökologisch angebauten Mittagsangeboten in ausreichend dimensionierten Mensen.
Überdies wünsche ich die Prüfung von Tempo 30-Zonen an allen Schulwegen im Flecken.

In Zeiten des Rechtsrucks, rechten Terrors und einer zunehmenden Bedrohung des demokratischen Zusammenhaltes stehe ich als Mensch, aber auch als Demokratie- und Rechtsextremismusforscher unumstößlich hinter den Grund- und Menschenrechten mit allen sich daraus ableitenden Verpflichtungen. Ich weiß aus persönlichem Erleben um die bedrohliche Situation von Menschen, die Opfer rechter Gewalt werden können oder sich gegen rechte Strukturen engagieren. Und Südniedersachsen ist da leider keine Ausnahme. Weil aber engagierte politische Kultur, so sagt es die politische Kulturforschung, als Mischung aus lokaler Politik, Erinnerungskultur und Zivilgesellschaft der beste Schutz gegen rechte Umtriebe ist, werde ich jeglicher Form populistischer Politik und Rhetorik entschieden entgegentreten.
Bovenden ist kein Ort für Rassismus und Menschenfeindlichkeit. In diesem Sinne stehen ich für eine enge Zusammenarbeit mit allen Initiativen, aber auch allen demokratischen Parteien grundsätzlich bereit. Ich will Demokratieförderung, den Kampf gegen Diskriminierung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit, das Aufbrechen von Vorurteilsstrukturen als integralen Bestandteil lokaler, politischer Kultur verankert wissen und Initiativen in diesem Bereich fördern und stärken. Ausdrücklich gilt dies für erinnerungskulturelle Projekte und Erinnerungsorte.

Auf dem Weg in eine gute Zukunft für alle Menschen bleiben für Fragen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Herkunft, des Einkommens, von Diversität und Inklusionsbedarfen weiterhin eine Herausforderung, solange noch strukturelle Diskriminierung in unserer Gesellschaft besteht. Diese Strukturen aktiv zu hinterfragen und Bedingungen eines gleichberechtigten Lebens in Vielfalt zu fördern, ist auch eine Aufgabe lebendiger politischer Kultur.

Und, als Mensch und als Historiker verstehe ich Migration als historische Normalität, die es zu gestalten und nicht zu verhindern gilt. Deshalb setze ich mich für ein gutes Leben für alle ein, unabhängig von Herkunft, Bleibeperspektive oder bundespolitischen Trends. Deshalb will ich, dass Bovenden auch künftig im Rahmen aller gegebenen und noch zu schaffenden Möglichkeiten im interkommunalen Verbund die Integration von Migrant:innen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt unterstützt, die Möglichkeiten dezentralen Wohnens aktiv unterstützt, eine gesicherte Gesundheitsversorgung und für eine Perspektive auf ein kommunales Wahlrecht wirbt und sicherer Hafen für geflüchtete Menschen ist.