Wir leben inmitten einer Zeitenwende. Klimakrise, fehlender gesellschaftlicher Zusammenhalt, Krieg in Europa, überall warten große Herausforderungen. Herausforderungen, die ich als Ihr grüner Landtagskandidat, beherzt anpacken will.  16 Jahre Zukunftsverweigerung in Berlin, fünf Jahre Stillstand in Hannover gilt es mutig zu überwinden. Was mich, als vierfachen Vater, als grünen Politiker, als passionierten Hobbygärtner, Wanderer und Landmensch antreibt, ist ein ur-grünes Motto: Wir haben diese Erde von unseren Kindern nur geborgt. Also holen wir uns die Zukunft zurück. Gehen wir zusammen die Energiewende an, garantieren wir Mobilität unabhängig vom Wohnort, werden wir sicherer Hafen für alle Menschen, verteidigen wir die Demokratie, gemeinsam, vor Ort und im Landtag.  

Für diese Ziel bin ich – es brannte gerade die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und die Wälder in Tschernobyl – 2012, nach langem Zögern den Grünen beigetreten. Dabei war das Zögern eines, dass nicht auf der inhaltlichen Distanz zu den Bündnisgrünen ruhte, sondern eher einer wissenschaftlichen Distanz, schließlich forschte ich zu der Zeit intensiv zur Partei. Doch je länger ich mich mit der Ideen- und Wirkungsgeschichte der Grünen beschäftigte, desto weniger wollte ich länger auf Distanz bleiben und bin der Partei beigetreten – allerdings auf Abstand zu Ämtern und Mandaten, um meine Unabhängigkeit als Parteienforscher zu wahren. Doch über die Jahre wandelten sich meine Schwerpunkte immer mehr – aus dem parteien- wurde ein Demokratie- und Rechtsextremismusforscher. Und wieder fühlte ich mich bei den Grünen diesbezüglich am besten aufgehoben.

Einen klaren Schnitt bildete dann das Jahr 2021. Kurz entschlossen kandidierte ich als Bürgermeisterkandidat im Flecken Bovenden, kandidierte auch für den Gemeinde- und Ortsrat, wo ich heute jeweils Fraktionsvorsitzender bin. Und der Zuspruch war überwältigend. Auch wenn es für das Amt des Bürgermeisters gegen den von den anderen Parteien unterstützten Amtsinhaber nicht gereicht hat, so konnten wir uns als Grüne von etwas über neun Prozent auf fast 21 Prozent im Gemeinderat steigern und wurden auf Anhieb zweitstärkste Kraft in Bovenden. Aus dieser überwältigenden Zustimmung und der nun folgenden Ratsarbeit, ziehe ich meine Motivation und Lust, grüne Politik zu machen. Und mich, als im ländlichen Raum meines Wahlkreises lebender Mensch für den ländlichen Raum nördlich, westlich und südlich von Göttingen zu engagieren – im ständigen Austausch mit Menschen, Vereinen und Initiativen vor Ort, ohne die Politik nicht möglich wäre. Getragen von meiner Partei vor Ort konnte ich dann auf dem Parteitag der niedersächsischen Grünen einen tollen Listenplatz erreichen und gehe so sehr zuversichtlich in den Wahlkampf, an dessen Ende hoffentlich eine Landtagsmandat steht.

Dabei werde ich auch von meiner Familie getragen, ohne deren Zuspruch und Verständnis ich keine grüne Politik machen könnte. Gerade in herausfordernden Situationen, und das ist der Gang hoffentlich erfolgreiche Gang in den Landtag, kann ich immer auf diesen Rückhalt zählen – etwa als wir als sechsköpfige Familie mit Baby und Lastenrad im Zug nach Norwegen saßen, um dort 1.400 km gegen den Wind, die Steilküsten und die Fjordpässe anzufahren (im Jahr darauf haben wir es uns einfacher gemacht und sind mit Rückenwind von Oslo nach Helsinki gefahren) oder bei Rekordhitze wochenlang durchs menschenleere, aber mückenreiche norwegisch-schwedische Fjell/Fjäll zu wandern.

Rekordhitze, Rekordkälte – allesamt Folgen des rapiden Klimawandels, dessen Bekämpfung im Zentrum meines privaten und politischen Denkens steht. Und der Grund, warum ich nun als Bürgermeisterkandidat in Bovenden kandidiere. Weil ich die jahrelange wissenschaftliche und politische Beschäftigung mit Auswegen aus der Klimakrise, die ich privat auch zu leben versuche, im gesamten Flecken Bovenden einbringen möchte. Weil ich, mit Robert Habeck gesprochen, jene Wirklichkeit verändern will, die über Jahrzehnte den Klimawandel politisch nur verwaltet hat. Die noch immer zu stark in Beton, Verbrennungsmotor und Flächenversiegelung denkt. Der Klimavertrag von Paris, das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, die Erde, die wir von unseren Kindern nur geborgt haben: Sie alle fordern zu zügigem, umfassendem Handeln, dass Verwaltungsdenken und eine Politik der kleinen Schritte überwindet, auf. Dass man dafür Menschen mitnehmen muss, begeistern muss, offen und transparent erklären muss, ist mir als Ostdeutschem, der eine massive Transformation erlebt und jahrelang dazu geforscht hat, bewusst. Aber das Ziel einer ökologischen, klimaneutralen Gesellschaft ist die Anstrengung wert. Zu Gunsten einer ökologischen Transformation, durch alle und für alle. Auf neuen Wegen statt auf ausgetretenen Pfaden. Dafür stehe ich. Dafür trete ich an. Und für diesen Weg werbe ich um Ihr Vertrauen.

Herzlich,

Michael Lühmann

Bewerbungsrede zur Listenaufstellung

„Holen wir uns die Zukunft zurück!“

weiterlesen

Bewerbungsrede als grüner Direktkandidat im Wahlkreis Göttingen / Hann. Münden

„Mit Euch vor Ort für die sozial-ökologische Transformation zu kämpfen…“

weiterlesen

Bewerbungsrede als grüner Bürgermeisterkandidat in Bovenden

„Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt…“

weiterlesen

Politik als Wissenschaft

Die Grünen würden längst als Teil des bürgerlichen Parteienblocks wahrgenommen, sagt Michael Lühmann, der für die Grünen in der niedersächsischen Gemeinde Bovenden als Bürgermeister kandidieren will, aber auch als Parteienforscher den Zustand der Partei kommentiert.

DER SPIEGEL, Nr. 16, 17.04.2021, S. 23